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Es „gäbe eine Poesie des Zerfalls“…

Verfallender Stall bei Mutten
… sagt Raimund Rodewald, Geschäftsleiter der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz, zur Tatsache, dass insbesondere in peripheren Räumen landwirtschaftliche Gebäude verlottern und mit der Zeit zusammenbrechen, weil sie nicht mehr gebraucht werden. Unser Raumplanungsgesetz verbietet ausserhalb der Bauzonen die Umnutzungen von Agrarbauten ohne Wohnfunktion, also scheint das Schicksal der alten Gebäude besiegelt – eine alpine Landschaft mit immer mehr Ruinen? Oder, wie seitens verschiedener Raumplaner auch schon angedacht, eine grosse Abbruchaktion?
Mir passt das nicht: Die altehrwürdigen Ställe gehören für mich zur Poesie der Landschaft, sie bezeugen ihre Geschichte, ich liebe ihren Duft, ihre Farbe, ihre Form voll von Sinn und daher auch voll von Schönheit. Alle weg? Den ganzen Beitrag lesen »
Das Pöschtli hat seinen Charme verloren!!
Seit diesem Jahr wird uns ein neu eingekleidetes Pöschtli zugestellt. Für mich hat es viel von seinem Charme verloren und ist vom abwechslungsreichen Menü etwas in die Monotonie zerlaufen – das, was mir früher genüsslich aufgefallen ist, versteckt sich hinter einer flachen Uniformiertheit, die Höhepunkte sind nur schwer zu finden. Lese ich neu einen Werbeträger statt im Kaffeesatz der regioViamala? Auch der wöchentliche Blickwinkel, dem intensive Arbeit der Autoren und Autorinnen zu Grunde liegt, geht sanft unter zwischen Win-7-Einstiegstipp’s und einem Sudoku. Schade. Was meinen Sie?
Staumauern (von Thomas Bitter)

Peter Rieder am viamalaTalk in Zillis (Foto von Reiner Schilling)
Am 25.November 2009 fand in Zillis ein weiterer viamalaTalk statt. Gast war Peter Rieder, emeritierter ETH-Professor der Agrarökonomie, ein erfrischender Kenner der Zusammenhänge der Landwirtschaft – Ökonomie auf der ganzen Welt. Peter Rieder teilt den Kanton Graubünden in 4 Lebensräume ein:
1: Der Bereich des industrialisierten Bündner Rheintals.
2: Touristisch vereinnahmte Hochburgen wie Klosters/Davos, Oberengadin, Flims/Laax, Lenzerheide.
3: Regionalzentren wie Thusis, Ilanz, Roveredo, etc.
4. Der Rest, der rückwärtige Raum, der Grossteil der Bündner Gemeinden wie: Scheid, Mutten, Almens, Tschappina, Mathon, Ferrera, Nufenen, etc.. Diese sind von der Abwanderung bedroht, dorfrelevante Einrichtungen wie Läden, Schulen verschwinden. Den ganzen Beitrag lesen »
Über den Umgang mit Potentialarmut (von Thomas Bitter)
Avenir Suisse prophezeit uns Entleerung, der Kanton – rein vorsorglich – potentialarme Räume (In der regioViamala Scheid (?), Trans (?), Schamserberg (?), Hinterrhein, etc., stell Dir das vor, die Gemeinde Hinterrhein, gewaltige alpine Landschaft an einer essentiellen europäischen Transitachse = potentialarm?!?). Weiter: Wir kosten zuviel, wir überaltern und kommen uns abhanden, Braindrain (Auf deutsch Abwanderung von Intelligenz) ins Unterland, so ein Elend. Ein Elend?
Ich merke nichts vom Elend, eben sind Sonja und Kassian, nahe Nachbarn, Eltern geworden und Freunde aus Wallisellen schnaufen auf bei uns. Klar, unsere Gemeinden wandeln sich, Schulhäuser stehen leer, kleine Dorfläden verschwinden, das stimmt. Ja und? Meine Dorfgemeinschaft in Scheid lebt gut, wenn wir etwas brauchen, holen wir uns das im Tal und bleiben in wunderbarster Lage wohnen. Uns fehlen unmittelbare urbane Angebote, doch wir schnuppern Freiheit und haben Platz und Raum zum Atmen, wir sind ein 1A-Wohnquartier der neuen Gemeinde Tomils, das Wasser fliesst, Chur und Milano sind falls nötig nicht weit, unsere Kinder besuchen ganz normal die Schule, wir treffen uns nach wie vor an Gemeindeversammlungen und regeln unsere Zukunft .
Gesellschaften verändern sich. Daraus ergeben sich zwei Reaktionen:
A) Stillestehen, die Gegenwart festhalten, der Vergangenheit nachtrauern. Das lähmt und motiviert die Entvölkerungsprognostiker.
B) Den Wandel mitgestalten und geniessen, das befreit, reintauchen in die Töpferei des Lebens, mitmachen, beitragen, he!
Glarnerisches Denken? (von Thomas Bitter)
Der Kanton Glarus liegt in ähnlich attraktiver alpiner Landschaft wie die regioViamala, ist etwa gleich gross wie unsere Region, zählt gut dreimal mehr Einwohner. Die Glarner Landsgemeinde hat 2006 beschlossen, den Kanton per 2011 in drei Gemeinden aufzuteilen, um die Herausforderungen der Zukunft anpacken zu können. Grund: Die Probleme der heute 25 Gemeinden wurden beängstigend gross, ohne Strukturreform wurde ein allgemeiner Glarner Schiffbruch befürchtet.
Angst um unsere Gemeinden habe ich diesbezüglich nicht, sie sind aktiv und engagiert, auch bei uns wird ja kooperiert und fusioniert. Aber, wenn man sich die Arbeit schon macht: Wäre nicht etwas mehr Mut angebracht?



Neudorfstrasse 58 
